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bekay de » flimmerWelt  
 

Donnerstag, der 17.03.2011, 14:43


"So soll ein nordkoreanischer Animationszeichner umgerechnet lediglich 3 US-Dollar im Monat verdienen."



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Samstag, der 06.11.2010, 11:13


Unfassbar!

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Montag, der 08.02.2010, 20:01
Aktionskunst, Reaktionskunst oder gar keine Kunst?

Meine im Januar stattgefundene Shyamalan-Retrospektive (hier noch einmal nachzuverfolgen) hatte zwei Lücken: Einmal THE VILLAGE. Das hatte den Grund, dass ich in der Vergangengenheit schon zu viele Worte (oder eben: keine Worte) zum Film verloren hatte. Ein ander Mal THE HAPPENING. Das wiederum hatte den Grund, dass ich vom wissenschaftlichen Projekt postapocalypse.de eingeladen wurde, mich in einem Filmgespräch mit Christian Hoffstadt, Judith Schossböck & Jochen Werner zum Film zu äußern. Dieses Gespräch ist nun online. Und es ist sehr schön geworden, wie ich finde. Auch wenn ich in ihm zuerst zu einem Medienwissenschaftler und nun - nach von mir angeregter Korrektur - zu einem Filmwissenschaftler wurde... am liebsten wäre mir natürlich, wenn da "Typie" oder so stände.

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Samstag, der 16.01.2010, 15:03
Signs: Überblick über die Filmkritik

M. Night Shyamalans SIGNS wurde von der Filmkritik als Niedergang eines Wunderkindes inszeniert, in das jeder Hoffnungen gesetzt hatte. Von 31 Kritiken* sind 39% positiv, 42% unentschieden und 19% negativ. Statt die Kritiker-Zunft jedoch in Lager zu spalten, hat der Film den Kritiker selbst in ein Dilemma versetzt. Das sieht man an der hohen Anzahl der Unentschiedenen. Diese Dilemma drückt sich meistens folgendermaßen aus: Inszenierung hui, christlich-faschistoide Zwangsbotschaften pfui! Aber dazu später mehr...

Nun, es war die Zeit des Fazit-Ziehens. Kam SIGNS, kam der Rückblick auf Shyamalans zwei vorherige Filme und deren endgültige Bewertung. Da das amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek im Zuge des Kinostarts von SIGNS den Regisseur als "next Spielberg" betitelte, musste das natürlich irgendwie mitverarbeitet werden. Seine "Besinnung auf filmische Tugenden" jenseits reißerischer Effekte (Everschor, film-dienst), die "unaufhörliche Unterwanderung der Hollywood-Maxime des faster, bigger, more" (Happe, Schnitt) und der "soveräne Umgang mit Bild, Farbe und Ton" (Platthaus, FAZ) wurde ihm positiv beschieden, obwohl gleichzeitig gemutmaßt wurde, dass "Shyamalan Variationen desselben Films dreht" (Peters, taz) und sich mittlerweile eine gewisse Formelhaftigkeit herausbildet (Newman, Sight & Sound). Jedenfalls wurden die Stifte für die Doppelstriche gezückt. Nachdem schon UNBREAKABLE einen eher gemischten Eindruck hinterlassen hatte, erwartete man nun Anschluss an THE SIXTH SENSE.

Die Dreharbeiten zu SIGNS begannen am 13. September 2001, zwei Tage nach den Anschlägen auf das World Trade Center. Allzu viele Kritiken gingen nicht darauf ein und ob sich nun in der "klaustropischen Grundstimmung" des Films "die Ängste einer traumatisierten Nation" spiegeln (Schröder, Tagesspiegel), will ich dahingestellt lassen. Aber einige Aspekte, wie das Nachvollziehen der Invasion über den heimischen Fernseher, schlagen doch bemerkenswerte Brücken zur Realität.

Die humorvoll-skurillen Töne, die SIGNS durchdringen, waren vielen Kritikern aufgefallen. Jürg Zbinden in der NZZ hat diese Form von Humor beispielsweise sehr irritiert. Und auch anderswo durchfuhren die Renzensenten Momente der Unentschiedenheit: "almost too bizarre to be funny" steht im New Yorker und Newman macht die Lacher von der Stimmung abhängig: "Signs gets as many laughs as gasps, and it's a moot point as to how many are intentional." Besonders gefallen hat mir aber, dass Andreas Platthaus die von Joaquin Phoenix "leicht debil" gespielte Figur des Merrill Hess als "drittes Kind" im Ensemble verstand. Das deckt sich sehr mit meiner Perspektive auf Shyamalans spätere Filme, in denen das Kind immer mehr im Erwachsenen zu finden ist.

Hier und dort wurde sich darüber echauffiert, dass das Finale einen unverstellten Blick auf ein Alien bereithält. Dass dieses nun viele für gummös und grün hielten, scheint aber eher darauf hinzuweisen, dass der Blick so unverstellt nicht gewesen sein kann, denn diese Beobachtungen stimmen einfach nicht mit den Bildern überein. Interessanter ist da eher schon Anthony Lanes Bemerkung, dass die Mise-en-scène etwas von einer grotesken Parodie einer Pietà hat.

Damit kommen wir zum Anfang zurück - den Missionierungsversuchen des Shyamalan. Daniel Haas brachte die herrschende Meinung, deren Argumentation unter ideologiekritischen Gesichtspunkten durchaus seine Stärke hat, sehr gut zum Ausdruck: "Gegen den Glauben an höhere Mächte ist dabei grundsätzlich nichts einzuwenden[...] Doch 'Signs' koppelt die religiöse Spekulation an eine heikle Frage: Kann man ein guter Vater sein und zugleich Atheist oder Agnostiker? Der Film sagt nein und verschärft damit das Konzept einer paternalistischen Gesellschaft, in der es zwischen richtig und falsch keine Nuancen geben kann." Man könnte natürlich die angebliche Offenbarung am Ende des Films als letzen Kalauer betrachten: Wenn Graham Hess (Mel Gibson) seinen Glauben wiederentdeckt, weil er die grausame Zweiteilung seiner Frau durch ein Auto, das schwere, asthmatische Leiden seines Sohnes, die nahezu geisteskranke Eigenart seiner Tochter und die zerstörte Baseball-Karriere seines Bruder als von Gott eingeleitete Ereignisse interpretiert, die das Überleben der Alien-Invasion ermöglichten, dann ist das doch fast schon wieder eine zynische Dekonstruktion von Glauben... Hanns-Georg Rodek machte dazu in der Welt noch eine sehr scharfsinnige Beobachtung: "Gibson und Familie überstehen die Belagerung des Bösen nicht dank ihres Glaubens, sondern trotz ihres Unglaubens."


* film-dienst, epd Film, Schnitt, FAZ, FAZ Online, FAS, SZ, Der Spiegel, Spiegel Online, Die Welt, taz, Frankfurter Rundschau, Tagesspiegel, Der Standard, NZZ, Focus, Scope, kamera.co.uk, Sight & Sound, Daily Telegraph Online, 2x The Guardian, The Observer, 2x The Independent, TIME, New York Times, Los Angeles Times, 2x Washington Post, The New Yorker

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Montag, der 11.01.2010, 13:41


Zeit für ein bisschen Erholung ... und kultivierte Superhelden-Satire:



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Sonntag, der 10.01.2010, 17:18
Unbreakable: Überblick über die Filmkritik

Bereits mit UNBREAKABLE, Shyamalans Film nach dem Überraschungshit THE SIXTH SENSE, begann sich die Filmkritik zu spalten. Von 24 Kritiken* sind 58% positiv, 17% unentschieden und 25% negativ. Der Regisseur war in der Gunst der Rezensionskaste gesunken. Traurigerweise hatten die wenigsten Kritiker genug Selbstreflexionskraft, die schwierige, ja fast unmögliche Lage des Regisseur nach seinem sowohl kritischen als auch finanziellen Erfolg zu erörtern. Wie Manfred Müller so schön schrieb: "Diesem Vergleich muss sich Shyamalan stellen allein auf Grund der zeitlichen und auch stilistischen Nähe beider Arbeiten, auch wenn das die eigentlichen Qualitäten seines Films verdeckt." Vor Enttäuschtsein im Angesicht des Vorgängerfilms vergaßen einige Kritiker wohl, sich UNBREAKABLE etwas genauer anzuschauen. Der Vergleich mit THE SIXTH SENSE ist allgegenwärtig und das durchgängige Motiv der Kritiken.

Was verbindet nun eigentlich beide Filme? (Einmal abgesehen vom Hauptdarsteller Bruce Willis.) Beide kreisten "um die Wahrnehmung und um die unterschiedlichen Arten, sie zu erfahren" (Sterneborg, SZ), beide spielten im "Reich des Übersinnlichen" (Müller, Spon) und hätten "die spielerische Verwirrung der Realitäts- und Genreebenen" (Kohler, FR) gemein, beide seien "supernatural thriller with a twist" (Bradshaw, The Guardian), und mit einer "deadpan melancholy" getränkt (Michtell, NYT) - und hier wie da gehe es um die Selbsterlösung einer Figur, worauf besonders die deutsche Presse, allen voran film-dienst, ein Augen geworfen hat. Für manch einen legten diese Ähnlichkeiten die Vermutung eines "Copycat-Films" (Turan, Los Angeles Times) nahe, für andere war die Fähigkeit, das Übernatürliche im und aus dem Alltäglichen entstehen zu lassen (Schickel, TIME), nun schon zu einem Stil & Markenzeichen Shyamalans geronnen.

Was jedenfalls stark auffällt, sind zwei ganz neue Aspekte, auf die die Filmkritik sehr aufmerksam ihr Auge gelegt hat: Die Formalästhetik und Philadelphia als Setting. Die Kritiker überschlugen sich mit teils sehr präzisen Beschreibungen der außergewöhnlichen, für Hollywood untypischen visuellen Mittel: Seien es die auffälligen Point-of-View-Shots, die langen Plansequenzen, die Auflösung des Schuss-Gegenschusses oder die komischen Kamerawinkel und mittleren bis weiten Einstellungsgrößen bei Dialogsequenzen. John Atkinson behauptete, diese Bild-Ästhetik wäre "for no good reason" und nannte als Beispiel eine Szene, die fast komplett als Reflektion in einem Fernseher gezeigt wird. Michael Kohler in der Frankfurter Rundschau hätte ihn eines besseren belehren können: Sehr genau beschrieb er die Spiegelsequenzen im Film und deutete sie souverän als Sinnbilder der - ja, eben! - Glasknochen-Krankheit der Figur des Elijah Price (Samuel L. Jackson). Denn gerade in den Flashbacks, die uns in seine Vergangenheit führen, sind die Spiegel-Einstellungen derart dominant. Anhand solcher Befunde will es mir einigermaßen schief vorkommen, dass Rüdiger Suchsland (einmal mehr in unverkennbarem Husch-Husch-Stil) Shyamalan das "Prinzip, alles zu sagen, statt zu zeigen" hinterherdichtete und Helmut Merschmann in der epd Film irgendetwas davon schrieb, dass der Fortgang der Geschichte nur im Dialog stattfände. Fehldiagnosen par excellence! Nun zu Shyamalans Heimatstadt, der Stadt, in der er aufgewachsen ist: Philadelphia. Hier war man sich eigentlich einig, dass das Netz zwischen der unheimlichen Atmosphäre seiner beiden Mystery-Filme und der eigenständigen Architektur Phillys ("verwinkelte, rotbraune Backsteinbauten, das bedrohliche Pathos neogotischer Architektur", Pauli, Focus) sehr eng geflochten ist.

Die eigentlichen Spalter-Themen waren (1) die gewöhnungsbedürftige Entscheidung, eine Superhelden-Origin in einer so lähmenden, ernsten und pessimistischen Art zu erzählen und (2) der Plot-Twist.
(1) Wie uns der unter dem Kürzel apl (aller Wahrscheinlichkeit nach Andreas Platthaus) firmierende Autor in der DVD-Rezension zu UNBREAKABLE in der FAZ mitteilt, handelt es sich bei dem grundlegenden Plot um eine Origin Story, eher den Amerikanern und weniger den Deutschen aus Superhelden-Comics bekannt. Einige Filmkritiker fanden solch eine Geschichte einfach zu kitschig und abgedroschen, so dass ihnen die Ernsthaftigkeit der Präsentation und der Filmfiguren nur noch lächerlicher erschien: "Willis is almost morbidly withdrawn as the security guard, though his underplaying isn't enough to divert us from the corniness of his secret potential." (Anthony Quinn, The Independent) Das kann man auch anders sehen, beweist Thomas Wirtz' schöne Kritik in der FAZ. Schon fast müßig erklärt er die "maßlose Zeitvernichtung" in der ersten Hälfte des Films als perfektes Darstellungsmittel des "langsam dahin Vegetierenden", der "wandernden Schlafpille", des "depressiven Kleinbürgers". Die Entdeckung der Superhelden-Kräfte sei der schwere Weg der Selbstfindung, den David Dunn (Bruce Willis) zu gehen habe.
(2) Der Plot-Twist von UNBREAKABLE ist ebenfalls sehr schwer außerhalb des Subtextes der Comic-Mythologie zu verstehen, insofern er wohl auch eher Subtext-Twist genannt werden sollte. Auf einer reinen Handlungsebene wirkt er gewiss eher effekthascherisch. Denn durch ihn werden die Figuren des Elijah Price und David Dunn endgültig zum typischen Comic-Sujet transformiert: Zum Superhelden und seiner Nemesis, seinem Erzfeind, dem Superschurken. Die Kritiker-Reaktionen fielen dementsprechend sehr gemischt aus: enttäuscht, gleichgültig, erbost, überrascht, erfreut. Dass man den Twist auch überhaupt nicht erwähnen muss und genug zum Film sagen kann, weil er auch schon so faszinierend genug ist, bewies Anke Westphal in der Berliner Zeitung.

Noch eher am Horizont leuchtete der Mythos von Shyamalans Exentrik - und die verhängnisvolle Verwechslung eines Films mit seinem Regisseur, die damit einhergehen wird. Urs Jenny war im Spiegel derart in seinem Intentionalismus verfangen, dass er den Film vor lauter Shyamalans nicht mehr sehen konnte.

Ich will mit dem Kritiker David Denby vom New Yorker schließen, der anscheinend eine neue Art Kino-Physiognomik begründen wollte: Oder wie anders kann man sich erklären, dass Bruce Willis' Kopf in UNBREAKABLE wie ein "enormous, melancholy egg" aussähe oder er Haley Joel Osments "extraordinary face" in THE SIXTH SENSE mit einer beängstigenden Akribie beschrieb: "pale, with a pointed chin, a tiny mouth, with a curling upper lip, and eyes that go red at the rims with fear." Na, so lange Shyamalans Filme zu solchen Beobachtungen einladen...


* film-dienst, epd Film, Schnitt, 2x FAZ, SZ, SZ-Extra, Der Spiegel, Spiegel Online, taz, Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung, Focus, artechock, kamera.co.uk, Sight & Sound, The Guardian, The Observer, The Independent, TIME, New York Times, Los Angeles Times, 2x Washington Post, The New Yorker

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Samstag, der 09.01.2010, 15:24
The Sixth Sense: Überblick über die Filmkritik

Die kritische Aufnahme von THE SIXTH SENSE im Jahr 1999 kann man als sehr achtbar bezeichnen. Von 23 Kritiken* sind 78% positiv, 13% unentschieden und 9% negativ. Die letztere Zahl rührt von zwei Verrissen, einer in der Berliner Zeitung, der andere in der New York Times. Die lesen sich wirklich sehr komisch, wobei ersterer sich anmaßte, wirklich alles verstanden und durchschaut zu haben und zweiterer dem Film süßlichen Kitsch unterstellte. Eine durchaus fragwürdige Beurteilung für einen so depressiven und pessimistischen Film.

Das Wichtigste voran: Regisseur Shyamalan wird [Scha-ma-lahn] ausgesprochen. Besonders die englischen Kritiken wurden nicht müde, dem Leser eine sprachliche Hilfeleistung an die Hand zu geben - das weist wohl daraufhin, dass man meinte, von diesem Regisseur nicht das letzte Mal gehört zu haben. Die Quelle dieser Information wird uns von Gilbert Adair eröffnet: Im Presse-Heft zum Film stand's.

Der Regisseur dieses aus dem Nichts kommenden, aber zum US-Kassenschlager avancierten Films war weitestgehend unbekannt. Mithin war THE SIXTH SENSE im Jahre 1999 noch kein Shyamalan-Film (heute ist er es schon), sondern ein Bruce-Willis-Film. Besonders in der deutschen Presse war Bruce Willis' Abkehr vom Action-Genre, welche er mit diesem Film weiter vorantrieb, vielbeachtet. Hier und da wurde sogar der Tod des Action-Genres verkündet, eine - aus heutigem Gesichtspunkt - etwas vorschnelle und lächerliche kulturelle Annahme. Bruce Willis jedenfalls war ein Star der 1990er und sein Auftreten und besonders seine "schauspielerische Leistung" in diesem ruhigen und kontemplativen Horror-Thriller waren der Filmkritik stets mehrere Zeilen wert. Vom subtilen gedämpften Spiel bis zum Vorwurf des Ein-Gesicht-Willis findet man alle Positionen vertreten. Regine Welsch klärt souverän (aber mit fragwürdiger Satzform): "Wer die grossen Schauspieler sucht auf der Leinwand, der hat das Prinzip Kino nicht verstanden. Wir werden also die Frage nicht klären, ob Bruce Willis ein begnadeter Mime ist."

Wenn man von Herrn Göckenjans Spott in der Berliner Zeitung absieht, der keinen "Verantwortlichen für den Erzähl-Ryhthmus", "träge dahinstolpernde Bilder" und eine "plätschernde Geschichte" sah, war man sich unter den Filmkritikern doch größtenteils einig in der Bewertung der Ruhe, Getragenheit und Langsamkeit des Films: Mit einfachsten Mitteln wird Atmosphäre geschaffen. Die Erwähnung von BLAIR WITCH PROJECT war somit fast schon obligatorisch - zwar weniger erfolgreich, aber ähnlich gelagert sowohl vom Thematischen (Grusel-Film) als auch von der Kosten-Einspiel-Relation (in beiden Fällen phänomenal). Nach den klotzenden Großproduktionen der 1990er sah man wieder ein neues, bescheidenes, jedoch trotzdem mitreißendes Kino am Millenniumshorizont (am falschen natürlich, die Jahrtausendwende kam dann ja erst ein Jahr später). Gerald Koll in Der Welt vermutete den Film gar in einer Reihe sogenannter Paranoia-Filme, die die Angst vor der symbolisch aufgeladenen Jahrtausendwende verkörperten.

Einige wenige Kritiker waren mit den verschämt durchs Bild huschenden Geistern nicht besonders zufrieden. Nur die Musik markiere, dass man sich nun zu Gruseln habe (Göckenjan), oder das Gespenst wird gleich einer kulturtheoretischen Analyse unterworfen. So Katja Nicodemus in der taz, die in den melancholischen Erscheinungen aus dem Jenseits eher Oscar Wildes Canterville Ghost repäsentiert sah. Ihrer Meinung nach sei dies der Ultramoderne nicht angemessen. Vielleicht wäre Sam Raimis TANZ DER TEUFEL Trilogie dann eher nach ihrem "geistreichen" Geschmack...

Nirgendwo unerwähnt bleibt der Plot-Twist am Ende des Films. Er ist das Motiv, welches sich durch alle Kritiken zieht. Verraten wird natürlich nichts, außer, dass etwas passieren wird, etwas Überraschendes, welches die Handlung umwertet. Göckenjan fällt einmal mehr aus der Reihe: Er beurteilte den "finalen Knalleffekt" als gänzlich perfides Ablenkungsmanöver und Marketing-Strategie, welcher die "Langeweile vorher" vergessen machen und für "Mund-zu-Mund-Propaganda" sorgen soll. Er attestierte dem Film, dass er nur von der Neugierde um dieses Geheimnis zehre und dem Zuschauer sonst nichts zu bieten habe. Was für eine Anmaßung! Sight & Sound scheint mir näher am Film, als sie jenem eine Faszination zusprach, die eben gerade nicht (bloß) vom Ende herrühre, sondern von seiner Rätselhaftigkeit, "from explaining next to nothing". Alle Kritiker jedenfalls sahen sich in der Pflicht, eine Inhaltsangabe aus der beschränkten Perspektive der Bruce-Willis-Figur zu schreiben, die noch nicht um ihren speziellen Status in der diegetischen Welt weiß - denn die Eröffnung seines speziellen Status des Seins ist ja eben der Plot-Twist, der eine Umperspektivierung des Zuschauers bedeutet. Diese Umperspektivierung wurde wohl von allen Kritikern als ein solches Erlebnis angesehen, dass es keinesfalls vorweggenommen werden durfte - es muss selbst erfahren werden. Hier und da wurde sogar der Effekt dieser Umperspektivierung lobend erwähnt: Der Zuschauer wolle den Film sofort ein zweites Mal sehen - herausbekommen, wie dieser einen hinters Licht geführt und somit eine beschränkte Erzählperspektive als einzig korrekte dargestellt hat. (Wieviele Filme können das schon von sich behaupten?) Auch wenn Gerald Koll und wenige andere meinen, am Ende "mag man dem Film seinen Schabernack übelnehmen", so gibt es auch die klügere Gegenmeinung: Fiktionale Erzählungen sind nun einmal sozial sanktionierte Formen der Lüge! Filme wie THE SIXTH SENSE oder auch FIGHT CLUB weisen selbstbezüglich auf diese kulturelle Übereinkunft hin, denn sie spiegeln in sich noch einmal das Verhältnis von Fiktion und Realität und ihre Brüchigkeit - z.b. in Form von einer subjektiven Perspektive und fiktiver Realität.

Aber über diese eigentümliche Faszination mit dem Spiel der Perspektiven hinaus vermag der Film gewiss auch bei der dritten usw. Sichtung zu fesseln, darauf hätte sich das Gros der Kritiker gewiss einigen können. Daran anschließend ist es interessant zu erwähnen, dass jede Kritik eine andere Genre-Bezeichnung für den Film bereithielt: Horror, aber dann doch eher ein sanfter Grusel-Film ohne billige Schock-Effekte. Ein Thriller oder ein psychologisches Drama? "Heroic-therapist movie" (nach der Washington Post ein vergessenes Genre der 1960er) und ein Subgenre des buddy movie, der den einsamen Mann und den traurigen Jungen vereint (Sterneborg, epd Film)! Shyamalans Kino wehrt sich gegen Kategorisierungen - deswegen war es in Zukunft auch immer mehr Anfeindungen ausgesetzt. Denn in ein Genre will ihn jeder stecken, obwohl alle seine weiteren Filme diese Erwartungshaltung fast schon süffisant unterlaufen: Den Plot-Twist-Film...


* film-dienst, epd Film, Schnitt, FAZ, SZ, SZ-Extra, Der Spiegel, Spiegel Online, Die Welt, taz, Berliner Zeitung, NZZ, Focus, artechock, Scope, Sight & Sound, The Independent, TIME, New York Times, Los Angeles Times, 2x Washington Post, The New Yorker

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Samstag, der 09.01.2010, 10:17






(Ich schau' zu wenig Fernsehen, um solche tollen Sachen zu entdecken... Danke an Stefan für den Tip!)

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Sonntag, der 29.11.2009, 00:42
Die Sopranos ...

... sind dann wohl wie ein guter Wein - um ein plattes Italien-Sinnbild zu gebrauchen: Die Serie wird besser, je älter sie wird. Die Grundidee fand ich ja wirklich anziehend und sie versprach großes Potential: Unsicherheit erregen. Soziopathen und Mörder der Mafia als Figuren in gängige Seifenoper-Situationen zu verfrachten, das ist grundsätzlich pfiffig. Denn es verwirrt die Möglichkeit der Identifikation - die narrativen Strukturen laden herzlich dazu ein, die Figuren stoßen teilweise aufs Übelste ab. Das ganze Konzept hat die erste Staffel getragen, aber in der zweiten und dritten, die eher einer gemächlichen Talfahrt entsprachen, hatte man sich einem Prinzip der Seifenoper verwehrt: Das ständige Neupositionieren der Figuren zueinander, das ständige Erschüttern des Status Quo. In der Soap Opera gerät das natürlich zum puren Selbstzweck, um Cliffhanger und somit Zuschauerbindung zu produzieren, keine Frage. Aber bei den Sopranos schlich sich auch eine - wenn auch anders geartete - Selbstzweckhaftigkeit ein: In Dauerschleife gab es stattdessen die immer gleichen Situationen und Figurenkonstellationen, die alle noch vom tollen Ursprungskonzept zehren wollten. Da bröckelte doch einiges auseinander. Die vierte Staffel hingegen gewann an Entwicklung - und an deren Ende geschah eine solche Erschütterung des Status Quo, wie man sie sich sehr viel früher gewünscht hätte. Mit diesen Unsicherheiten geht es gestärkt in eine fünfte Staffel, an deren Anfang ich gerade stehe. Und diese ist es auch, der ich nun all die Qualitäten zusprechen kann, die angeblich die ganze Serie besitzt. Ja, wenn das so weitergeht, dann ist das "Fernsehgeschichte"...

Link(s) IMDb-Link (die Wertung!) Mafiabox bei Amazon.de
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Donnerstag, der 17.09.2009, 16:37
"Im Internet werden Kinder vergewaltigt."


(via Stefan Höltgen/Facebook)

... Ist euch schon einmal während des Surfens durch den Bildschirm eine Faust oder ein erigierter Penis geflogen, der sich dann an eurem Körper zu schaffen gemacht hat? Eben, mir auch nicht. Im Internet werden keine Kinder vergewaltigt. Zensursels Argumentation und Kampfrethorik basiert aber auf dieser falschen Prämisse. Wieso nicht einmal die Wahrheit aussprechen: Im Internet werden nur Daten getauscht, aber keine echten Straftaten. Nur deren Abbildungen, die reines Echo einer grausamen Tat sind, die schon in der realen Welt begangen wurde. Wenn dies einmal so gesagt werden würde, stände das für die Vernunft der Diskutanten...

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