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Dienstag, der 27.04.2010, 15:00
The Happening: Überblick über die Filmkritik

Man könnte die Filmkritik zu Shyamalans letzten Film THE HAPPENING unter der Überschrift "Die Unoffensichtlichkeit des Offensichtlichen" zusammenfassen. Ich war überrascht, dass die Stimmen gar nicht so giftig und hämisch ausfielen, wie ich erwartet habe. Der Schnitt ist trotzdem desatrös: Von 27 Kritiken* waren 19% positiv, 44% unentschieden und 37% negativ. Man beachte die hohe Zahl der Unentschiedenen. Der Hass, von dem gemeinhin behauptet wird, er schlüge dem Film entgegen, ist in den Print-Medien nicht zu entdecken. Dietrich Brüggemann verwies in seiner Schnitt-Kritik etwas herablassend auf das Internet: "Allerdings hat die Kritik sich in den vergangenen Jahren gewandelt, und das liegt vor allem am Internet. Dort ist eine ganze Szene entstanden, die nichts anderes tut, als möglichst frühzeitig Hollywoodfilme ans Tageslicht zu zerren, sie zu begutachten und bei Nichtgefallen darüber herzufallen. [...] Das wäre alles halb so wild, wenn nicht insgesamt der Verdacht entstehen würde, daß die Netzgemeinde mit ihrer geballten Schwarmintelligenz insgesamt ziemlich konservativ und ganz schön dumm ist. [...] alles, was im Rahmen des Mainstreams etwas abseitiger und experimenteller ist, wird gern plattgemacht, und kaum einer hat Lust, seine Stimme gegen das Gebrüll des digitalen Pöbels zu erheben." (Ich jedenfalls erhob oft eine Stimme: hier, dort über viele Seiten und auch da.) Wenn Anthony Lane also im New Yorker konstatierte: "Nevertheless, movies every bit as stumbling as The Happening, and far more savage, come out every month, and few are greeted with such contempt. Why should this be?" - dann wäre diese Frage wohl besser an die Netzgemeinschaft gerichtet. Die Berufszunft der Kritiker muss sich eher folgende Frage gefallen lassen: Warum habt ihr eure eigene Verwirrung nicht zum zentralen Thema gemacht?

Denn insgesamt waren sich die Kritiker gänzlich unsicher, womit sie es nun eigentlich zu tun haben. Klar erinnerten sie sich, dass Shyamalan bisher "employed, or even exploited, genre scenarios to similar ends—to question the unknown" (Michael Koresky, Reverse Shot). Aber was nun? "So is this a refugee movie? Is it a plague movie? Is it a civic-breakdown movie? Is it "The Birds"? Is it "The War of the Worlds"? Is it "Dawn of the Dead"? Or is it a crazy-old-lady movie?" (Stephen Hunter, Washington Post) Die am meisten genannten Genres, denen sich Shyamalan mit THE HAPPENING angeblich zuwendet, waren: Katastrophen-Film, Paranoia- und Öko-Thriller. Das Offensichtliche jedoch wurde selten erwähnt, vielleicht nicht einmal bemerkt. Weder gibt es im Film eine herkömmliche Katastrophe, noch Paranoia zu sehen und auch mit Öko hat er wenig zu tun. Die Bedrohung bleibt abstrakt. Anstatt diese Offensichtlichkeit zu reflektieren, wurde es dem Film und Regisseur als Mangel vorgeworfen: "Nur leider fehlt Shyamalans Film der Willen (und die Ausstattung), wirklich großes Katastrophenkino zu zeigen." (Andreas Borcholte, Spon) Ich kann mich des Einducks nicht erwehren, dass der Willen ganz woanders fehlte.

Bei der Auflösung des Films herrschte ebenfalls Erklärungsnotstand und manch einer kam zu elaborierten Fehlbeobachtungen betreffs diverser Plot-Twists: "Die Auflösung sei hier nicht verraten, führt aber teilweise zu milden Kichern." (Ulrike Mau, Die Welt) "Rasch wartet der Film mit der Erklärung auf, es seien die Pflanzen, die sich nun für die Aggressivität der Menschheit rächen wollten." (Gerhard Midding, Frankfurter Rundschau) Das stimmt schlicht und ergreifend nicht. Glücklicherweise wurden die meisten der deutschen Kritiker nicht Opfer ihres Shyamalan-Bildes und haben in der Hinsicht sehr differenziert festgestellt, dass der Film sich jeglicher Erklärung verweigert und rätselhaft bleibt. Dies wurde allerdings mit gemischten Gefühlen bewertet.

Bei der Bewertung der Darstellerleistungen trieb der Intentionalismus seine schönsten Blüten. Bis auf wenige Ausnahmen abgesehen ("warmherzige Haupdarsteller" meinte Jens Hinrichsen im film-dienst), ist das Spiel Mark Wahlbergs und Zooey Deschanels galligsten Anfeindungen ausgesetzt: "Mimen mit eingefroren fassungsloser Miene" (Andreas Platthaus, FAZ); "Shyamalan, sonst für seine subtile Schauspielerführung angesehen, vermag hier seinem Ensemble keine überzeugende Leistung abzuringen" (Michel Bodmer, NZZ); "clearly limited Mark Wahlberg und Zooey Deschanel" (Koresky); "She staggers around in a daze of bad acting, and the only thing Deschanel looks genuinely frightened by is the silliness of the script. But even she is not as weird as John Leguizamo, playing another mathematics teacher at Wahlberg's school. Quite frankly, he looks madder than a junkyard dog." (Peter Bradshaw, The Guardian). Schöner hätte man die offensichtlich grotesken Darbietungen der Schauspieler gewiss nicht beschreiben können. Jedoch gleichfalls offensichtlich für die Kritiker war, diese Darbietungen als Fehlleistungen zu interpretieren: "Zweites Problem: Shyamalan weiß offensichtlich nicht, ob er sein durchaus identifikationsstiftend ersonnenes Protagonisten-Ehepaar, das auch die Rettung der Tochter eines Freundes auf sich nimmt, ernst nehmen soll." (Jan Schulz-Ojala, Tagensspiegel) Eine allzu bekannte Rezeptionshaltung: Wenn man nicht weiß, ob man etwas ernst nehmen soll, dann projeziert man diese Verunsicherung einfach in den Film und seinen Regisseur.

Insgesamt fehlte es an ernsthaften Versuchen, sich mit den ganzen augenfälligen Fehlern, Unzulänglichkeiten und Macken zu beschäften, die der Film offensichtlich anhäuft. "Stutziger machen einen eher flache Psychologien und die Banalität mancher Dialoge, die man bestenfalls als komische Distanznahme (miss-)verstehen kann." (Dominik Kamalzadeh, Der Standard) "You wonder if this wasn't, for some reason, the effect Shyamalan was going for. Wahlberg's displays of emotion are alarmingly strained at times, and yet they never mesh with what's going on." (Carina Chocano, LA Times) Martin Schwickert hingegen konnte mit einer unvergleichlichen Selbstverständlichkeit die Brüche in ein größeres Konzept einbinden: "Mit schrägem Humor werden die Heldenklischees des Genres karikiert, wenn Shyamalan das kriselnde Liebespaar im Angesicht des herannahenden Todes ihre emotionalen Banalitäten herausstottern lässt." Und die oben bereits verlinkte Brüggemann-Kritik geht wahrscheinlich am weitesten in ihrer Verteidigung des Films: "Einige Situationen sind so seltsam, daß man nicht genau weiß, ob es Komik ist oder einfach mißraten. Das meiste, was man sieht, ist eher unspektakulär – und doch hat der Film einen seltsamen Sog, dem man kaum entkommt. [...] M. Night Shyamalan ist auf seine Weise ein Unikat. Er ist ein Mainstream-Autorenfilmer – jemand, der seine unverwechselbare Handschrift, seine persönliche Weltsicht, in massentaugliche Kinounterhaltung einbringen kann. Das hat er hier getan, und zwar deutlich zwingender als in seinen letzten Werken."

Den Begriff "zwingend" finde ich überhaupt ziemlich gut in Verbindung mit THE HAPPENING. Die interessantesten Ideen kamen sowieso von der deutschen Kritik, ob das nun die todesbringende Poetik des Windes war, die Entschleunigung der Erzählung, Kiyoshi Kurosawa als eigentliches Vorbild Shyamalans oder das Unheimliche der rationalen Selbstmordwellen in einem Katastrophenfilm - denn "der Selbstmord ist ein tendenziell unamerikanischer Impuls" (Midding).

Jens Hinrichsen schrieb, ob es einem passe oder nicht, "in jedem Shyamalan-Film steckt ein konservativer (bisweilen reaktionärer) Kern." Das passt mir zwar gewiss nicht, aber ich lasse lieber Athony Lane eine faszinierende Beobachtung machen und schließe damit: "I have always taken Shyamalan to be a fearmonger, but the new film suggests that he may be, at heart, a morbidologist: he is trying to reinsert the fear of death into a moviegoing culture that would prefer to think of it as laughable, dismissible, or gross."


* film-dienst, epd Film, Schnitt, FAZ, SZ, SZ-Extra, Spiegel Online, 2x Die Welt, Frankfurter Rundschau, 2x Tagesspiegel, Berliner Zeitung, Der Standard, NZZ, Reverse Shot, Sight & Sound, Daily Telegraph Online, The Guardian, The Observer, The Independent, TIME, New York Times, Los Angeles Times, Washington Post, The New Yorker

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Montag, der 26.04.2010, 14:44
Lady in the Water: Überblick über die Filmkritik

...oder: Wie Shyamalan in Ungnade fiel

Aus Sicht der Filmkritik ist LADY IN THE WATER ein absoluter Tiefpunkt. Von 24 Kritiken* waren gerade einmal 25% positiv, 33% unentschieden und 42% negativ - der bisher schlechteste Schnitt. Zwei neue Perspektiven werden in den Texten augenfällig: Mythenbildung und Metakritik.

Wenn ich von Mythen rede, dann meine ich Mythen über den Regisseur. Diese hat jener aber wohl auch selbst mitzuverantworten, denn der Studiowechsel von Disney zu Warner wurde medienwirksam im Buch The Man Who Heard Voices: Or, How M. Night Shyamalan Risked His Career on a Fairy Tale, das kurz vor der Veröffentlichung des Films erschien, verarbeitet. Von einem berühmt-berüchtigten Studio-Meeting war die Rede, in dem Nina Jacobson, Mit-Produzentin der bisherigen Filme und Entdeckerin Shyamalans, das Skript zu LADY IN THE WATER kritisierte. Bla, bla, bla ... verquaste Mythenbildung auf höchster Ebene, die alte Mär, in der Mikrowelle aufgewärmt: Studio vs. Regisseur. Ich weiß, warum ich es für unnütz halte, Produktionsumstände in die Filmbetrachtung einfließen zu lassen: Sie führen dazu, dass man den Film eben nicht mehr betrachtet. Das geschah hier in großem Stil. Am mythologischen Diskurs nahmen fast alle Kritiken teil, jedoch oft in unkritischer Manier: Shyamalan "seems to have disappeared unrecoverably up his own navel" (Tim Robey, Daily Telegraph) oder, noch etwas direkter, "his head had finally disappeared up his arse" (Anthony Quinn, The Independent). Hier verband sich die Mythenbildung dann mit einer sehr kränkenden Form des Intentionalismus, in dem der Film kaum mehr eine Rolle spielte. Auch die (Werbe-)Anekdote, die Idee des Films basiere auf einer Gute-Nacht-Geschichte, die Shyamalan seinen Töchtern erzählte, wurde wahrscheinlich einfach aus dem Presseheft abgeschrieben und dann hämisch gegen den Film gewandt: "no doubt they're young enough to be excused their credulity." (Jonathan Romney, The Independent)

In diesem Kontext - der Verlagerung des Interesses von Film zu Regisseur - sind auch die giftigen Kommentare gegenüber der Rollenbesetzung des Regisseurs selbst einzuordnen, die den Charakter eines Cameos bei weitem überdehnt. Zugegeben, dass sich Shyamalan selbst als Schreiber mit prophetischer Zukunft besetzte, befremdet. (Meine Gedanken dazu: hier im letzten Absatz.) "Ein Manifest napoleonischen Größenwahns" fasste Wolfgang Höbel im SPIEGEL die Kritik zusammen. Eigentlich behielt nur Kim Newman in der britischen Sight & Sound einen gewissen Objektivismus und merkte findig an: "note how Story only tells Vick he will influence a future world leader, not that the influence will be positive".

Nun zur Metakritik - denn nicht nur der Regisseur wurde interessanter als der Film, sondern auch die Kritik selbst: Kritik an der Filmkritik von Shyamalans Filmen wurde allenthalben oft geübt. Das konnte sich bis in dieses Extrem steigern: "I was ashamed ... ashamed ... that I had ever given this incredible idiot M Night Shyamalan anything approaching a good review. Yet it was me, and thousands of journalists like me all over the world[...], who encouraged him to believe in his own conceited pseudo-visions, culminating in this close encounter of the extremely rubbish kind." (Peter Bradshaw, The Guardian)

Jeff Reichert ist wohl der einzige, der in Reverse Shot über diese Unsachlichkeiten sachlich zu Gericht saß und zum Schluss kam, dass diese weniger mit dem Film selbst als vielmehr mit der Diskursbildung zu tun haben: "most reviews gleefully tapped into some sort of collective urge to really beat up a filmmaker who, according to most accounts, got too popular and too egotistical too quickly even as his ability to craft compelling narrative waned over the course of his five most well-known features. This type of reaction isn’t new[...]" Und auch wenn Reichert den Film nicht unbedingt für gut befand, so sei er doch "for lovers and collectors of oddities and cinematic curios[...] essential viewing" und dem Gros der Sommerfilme 2006 vorzuziehen.

Bei der Frage des Humors konnten sich die Kritiker gleichfalls gar nicht entscheiden und rätselten um die scheinbare Gretchenfrage von Filminterpretation herum: Ist das jetzt ernst gemeint? Manche wussten es ganz genau... "along with funny bits, some intentional, others not" (Manohla Dargis, NYT) Andere konnten sich nicht entscheiden: "it's reached the point where it's hard to discern the intentional humor from the unintentional." (Kevin Crust, LA Times) Und wiederum andere fanden den Film gänzlich witzlos - und darin eben gerade lächerlich. Parallel dazu wurde auch die Humorlaufbahn des Regisseurs ausgewertet - mit ganz verschiedenen Ergebnissen: Ja, waren denn seine Filme bisher bierernst oder zeigten sie alle einen gewissen trockenen Humor? Verwirrte Gesichter überall...

Die Äußerungen zum Subtext des Films blieben spärlich. Jedenfalls bei meiner letzten Sichtung wurde mir recht klar, dass LADY IN THE WATER weniger Märchenfilm, sondern vielmehr Film über die Funktionsweise von Märchen (und somit auch von Erzählungen im Allgemeinen) ist. Diese deutlich aufscheinende Bedeutungsebene des Films wurde sich anscheinend demonstrativ verschlossen: Isabella Reicher z.B. bemerkte zwar die "permanenten Übersetzungs- und Vermittlungsvorgänge", der der Film zum Thema hat, konnte im Endeffekt trotzdem bloß "eine recht konventionelle Geschichte" erkennen. Weitaus spannender finde ich dann schon, von einer "Narfologie" (Alexandra Stäheli, NZZ) zu sprechen und das theoretische Erbe, welches der Film antritt, auf konkrete Wissenschaftler zurückzuführen: "In a movie laden with enough symbolism, shamanism and mythic lore to make Joseph Campbell dance a tribal jig[...]" (Desson Thomson, Washington Post) Diese seltenen Bemerkungen blieben jedoch oberflächlich und unausgeführt.

Christopher Doyles Kameraarbeit ist vielleicht das einzig positive Element, auf das sich alle Kritiker einigen konnten. Nur Sebastian Hammelehle hielt den Film in der Welt am Sonntag "bis hin zur Beleuchtung" für eine Amateurproduktion. Etwas differenzierter durfte wieder die englisch-sprachige Kritik hinzufügen: "Lady in the Water appears to have been lighted with a book of matches and a dying flashlight. The murky results are generally unlovely if occasionally striking[...]" (Dargis)

Die allgemein hämische Grundstimmung gegen Shyamalan und Film hat zu geistlosen Wortspielen eingeladen, von denen ich zum Schluss einige vorstellen möchte: "Nixe verstehen", "Mythen in Tüten", "Dead in the water", "The vamp from the damp" ...


* film-dienst, epd Film, Schnitt, FAZ, Der Spiegel, Spiegel Online, Die Welt, Welt am Sonntag, Frankfurter Rundschau, Tagesspiegel, Berliner Zeitung, Der Standard, NZZ, Reverse Shot, Sight & Sound, Daily Telegraph Online, The Guardian, The Observer, 2x The Independent, New York Times, Los Angeles Times, Washington Post, The New Yorker

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Sonntag, der 25.04.2010, 14:01
The Village: Überblick über die Filmkritik

Mit THE VILLAGE hat sich Shyamalan die Gunst der Kritiker zurückerobert: Von 26 Kritiken* waren 62% positiv, 19% unentschieden und 19%, was man wohl als echte Steigerung zu SIGNS bewerten kann. Interessanterweise tat sich ein Spalt zwischen deutscher und englisch-sprachiger Kritik auf. Erstere nahm Shyamalans sechsten Film beinahe ausnahmslos positiv auf, wobei Andreas Maurers NZZ-Kritik aus dem Rahmen fiel. Im englisch-sprachigen Raum gab es schon mehr Häme nach bekannten Muster: "unintentionally comical" (Kevon Thomas, LA Times) lautete das Mantra. Ich glaube, ich muss meine Meinung zu einer Kritikerzunft, die meint hinter die Intentionen der Filmemacher schauen zu können, nicht weiter auswalzen...

Fast kein Kritiker ließ es sich nehmen, in die subtextuelle Struktur des Films vorzudringen und auf seine allegorische Qualität hinzuweisen: Ob nun direkt auf Bush und die Post-9/11-Ära schielend oder nicht, so wurde doch deutlich herausgearbeitet, dass dieser Film weniger Angst beim Zuschauer hervorrufen soll als vielmehr Angst als zentrales Thema hat. Denn die idyllische Gemeinschaft, von der er handelt, wird durch die Angst vor einem unsichtbaren und namenlosen Feind ("Those we don't speak of") zusammengehalten. "Doch die Idylle hat einen Preis: den der Unfreiheit." (René Classen, film-dienst) Es geht also um das delikate Verhältnis von Freiheit und Sicherheit, welches in den letzten Jahren auch in der realen Welt zusehends aus dem Gleichgewicht gerät. THE VILLAGE - das ist der Traum von absoluter Sicherheit. Dieser Traum wird von den Dorfältesten, die die Regierung darstellen, mit solch einem Fanatismus verfolgt, dass sie selbst den Mythos der "those we don't speak of" in die Welt setzten, ja sogar die Rollen dieser Dorf-Feinde spielen(!), um die Gemeinschaft zusammenzuschweißen. So fand David Kleingers in seiner Spon-Kritik "die Selbstverständlichkeit, mit der sich das tugendhafte Gemeinwesen im Belagerungszustand eingerichtet hat[,]" reichlich beunruhigend. Zwar in BILD nacheifernder Rhetorik-Armut, aber doch treffend beschreibt er das Dorf so, "als ob die Taliban mit den Teletubbies eine Landkommune gegründet hätten." Ich kann der selten aufscheinenden Ideologiekritik, die dem Film Konservatismus vorwarf, deshalb nur eine deutliche Absage erteilen. Würde man den Film als politische Parabel interpretieren, so gäbe Dorfpräsident Walker (William Hurt) "widersinnig einen sehr vertrauensweckenden Bush ab", so Susan Vahabzadeh in der SZ. Suchsland ergänzt auf artechock: "So sehr der Regisseur die Kraft der Liebe feiert, die alle Hindernisse überwinden kann, viel stärker noch glaubt er an den Nutzen von Geheimnissen, von Trug und Täuschung. Aufklärung, Wissen und Wissenschaft, dies macht Shymalian unmissverständlich klar, schade dem Zusammenleben der Menschen." Der Handlungsverlauf des Films deckt deutlich das Gegenteil auf: Kontrollregimes und auf Sicherheitslogik aufbauende Gemeinwesen sind zum Scheitern verurteilt - die absolute Sicherheit gibt es nicht! THE VILLAGE ist eine "Parabel über ideologische Manipulation und die Effizienz der Angst als Instrument der Macht." (Guido Kirsten, taz)

Die Zusammenarbeit mit dem Stamm-Kameramann der Gebrüder Coen, Roger Deakins, war einigen Kritikern wohlwollend aufgefallen, wie überhaupt die formalästhetische Strenge und Schlichtheit des Films positiv Anklang fand: "THE VILLAGE kommt in seiner stilistischen Präzision dem großen Vorbild Hitchcock sehr nahe", schreibt Anja Marquardt. Die englisch-sprachigen Kritiker scheinen mir aber stets etwas präziser in ihrer Bezugnahme auf die Visualität, wie z.B. Jonathan Romney in dieser The Independent Kritik: "The film is shot with bracing severity by Roger Deakins, with characters often observed from a distance or through the open doorways of darkened rooms."

Das Wort Auteur (oder der Bergiff, den man darunter versteht) fiel in Zusammenhang mit Shyamalan verhältnismäßig oft. "His auteur status is steadily growing", schrieb Ben McCann in seiner kamera.co.uk-Kritik
. Shyamalan sei ein "Autorenfilmer" (Wolfgang Fuhrmann, Berliner Zeitung) und ein "Meister seiner Zunft" (Andreas Platthaus, FAZ). In diesem Zusammenhang wurde auch sein virtuoser Umgang mit den Genres gelobt - sein unkonventioneller Umgang mit bekannten Handlungsmustern mache klar, dass es ihm primär gar nicht darum ginge Genre-Filme zu drehen. Dies führe natürlich dazu, dass Erwartungen unterlaufen und Zuschauer vor den Kopf gestoßen werden (vgl. Marquardt).

Damit wären wir vielleicht auch beim herausstechendsten und vielleicht am meisten beachteten Aspekt von THE VILLAGE: dem Plot-Twist. Zuerst muss ich mich enttäuscht zeigen, dass die meisten Kritiker von diesem nur in der Einzahl sprachen. Ich habe nur eine handvoll Kritiken entdecken können, die erwähnten, dass es (min.) zwei einschneidende Wendungen der Handlung gibt. Somit ist es auch ziemlich schwer, die Reaktionen auf "den Plot-Twist" auszuwerten, weil einem der Bezugspunkt fehlt. Jedenfalls blieb die Erwähnung weitestgehend auf unanalytischer Ebene, hier und da wurde auf den Zuschauer abgestellt: "Spätestens nach dem dritten Akt[...] will die eine Hälfte des Publikums aufspringen und applaudieren, während die andere sich betrogen fühlt und wütend aus dem Saal stürmt." (Daniel Bickermann, Schnitt) Eigentlich sollte es sich weniger darum drehen, ob die Schluss-Pointen überraschen oder nicht (was nämlich, wie Michael Kohler in der Franfurter Rundschau spitzfindig anmerkte, zu einer "sportiven Rezepeption" führt), sondern vielmehr, was sie bedeuten. Kohler meinte dann auch, die Schlusswendung entspäche eher der einer literarischen Novelle. Es mag schon verwundern, dass alle Kritiker um die allegorische Qualität des Films herumtanzten, aber die wenigsten seine Plot-Twists auf jene bezogen: Denn die erste Wendung demaskiert das Dorf als Kontrollregime, das den angeblichen Terror von Außen selbst produziert, und die zweite verleiht dem bisher Gesehenen eine geradezu erdrückende Aktualität erhält. Shyamalan somit des Ideen-Klaus bei Rod Serling (genauer: der Twilight-Zone-Episode "A Hundred Yards Over the Rim") zu bezichtigen, wie es z.B. Stephen Hunter in der Washington Post tut, ist absurd: In besagter Episode geht es um eine Zeitreise, in THE VILLAGE um ein soziales Experiment in der Jetzt-Zeit.

Interessantes zum Schluss: Die gegensätzliche Betrachtung der Inszenierung der Liebe - "Das Problem des Films besteht leider darin, dass diese Liebe eher intellektuelles Konstrukt bleibt statt sich emotional mitzuteilen" (Classen) VERSUS "der Film enthält gleich zwei der schönsten Liebeserklärungen, eine komisch, eine herzzerreißend" (Platthaus). Und während sich einige englisch-sprachige Kritiker über die gespreizte Ausdruckswesie im Dorf lustig machten, gingen andere mit diesem sprachlichen Aspekt sehr viel subtiler um: "There's something altogether artificial, almost Brechtian, about the whole set-up, especially with the cast's somewhat theatrical delivery of their ostentatiously archaic dialogue" (Romney) & "those we do not speak of—a clever locution on Shyamalan’s part, because although its archaic courtesy is designed to fend off the very thought of aggressors (here, in this peaceful place?), you can also imagine it on the lips of a ruling class politely disdaining lesser souls." (Anthony Lane, The New Yorker)... eine Chiffre demzufolge.


* film-dienst, epd Film, Schnitt, FAZ, SZ, Der Spiegel, Spiegel Online, taz, Frankfurter Rundschau, Tagesspiegel, NZZ, Focus, 2x artechock, kamera.co.uk, Sight & Sound, Daily Telegraph Online, The Observer, 2x The Independent, New York Times, Los Angeles Times, 2x Washington Post, The New Yorker

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Donnerstag, der 15.10.2009, 16:50


    "Erst die Agenda-2010-Politik der rot-grünen Regierung, die 1998 an die Macht kam, und speziell die Durchsetzung der sogenannten Hartz-Gesetze in den Jahren 2003-2005 führten zu einem regelrechten Systembruch im Bereich der Arbeitslosenversicherung und in der Arbeitslosen- und Sozialpolitik insgesamt. [...]
    Die Arbeitslosenhilfe wurde vollständig abgeschafft und mit der Sozialhilfe zum sogenannten Arbeitslosengeld II zusammengelegt. Und vor allem ist nun jede Arbeit zumutbar – auch den Qualifikationen des Arbeitnehmers in keiner Weise entsprechende, auch untertariflich bezahlte Arbeit und selbst Arbeit zu monatlichen Nettolöhnen, die unterhalb des Sozialhilfesatzes liegen. Werden dieserart definierte ‚zumutbare’ Arbeitsangebote – wozu auch die sogenannten Ein-Euro-Jobs gehören – abgelehnt, kommt es zu Leistungskürzungen und im Wiederholungsfalle sogar zum vollständigen Leistungsentzug. Nicht wenige Kritiker dieser Regelung sprechen von der Wiedereinführung der Zwangsarbeit, weil die Androhung des Entzugs sämtlicher Mittel zum Lebensunterhalt einem massiven Zwang zur Aufnahme von auch ausbeuterisch bezahlter Arbeit gleichkommt.
    Die Vergabe und die zeitliche Gewährung des ALG-II werden von den Ämtern oft derart restriktiv gehandhabt, dass sich hierfür in den Sozialwissenschaften und selbst in einigen Arbeitsverwaltungen der Begriff der ‚Verfolgungsbetreuung’ durchgesetzt hat. [...] Der Druck auf die Arbeitslosen macht auch vor den Kolleginnen und Kollegen in den Ämtern nicht halt. Es werden Hitlisten eingerichtet, mit dem Ziel, zu schauen, wer in welcher Zeit wie viele Sperrzeiten verhängt hat. [...]
    In einem Staat, dessen Reichtum und Sozialprodukt so groß sind wie nie zuvor in der Geschichte, sind also Methoden paternalistischer Sozialpolitik und der repressiven Verwaltung von Armut und Arbeitslosigkeit zurückgekehrt, wie man sie bislang nur aus der Periode des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit oder in politischen Diktaturen der Moderne kannte."

(In: Egbert Scheunemann: Vom Armen- und Arbeitshaus zu Hartz-IV. Eine kurze Geschichte der staatlichen Armen- und Arbeitslosenverwaltung zwischen Repression und Almosentransfer)

Wer gern öfter auf solche Texte zur sozialen Lage unsere Nation hingewiesen werden möchte, der sollte regelmäßig bei NachDenkSeiten.de vorbeischauen.

Link(s) NachDenkSeiten.de - Die kritische Website
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Sonntag, der 26.04.2009, 01:23
Peters Filme...

Ja, kennen sie Peters Filme? Ich meine natürlich die vom Jackson, vom Peter Jackson. Natürlich käme niemand auf die Idee, in einem Gespräch über die Herr der Ringe Filme von Peters Vision zu sprechen, soweit man denn den Herrn Jackson nicht persönlich kennt. Bei asiatischen Namen ist das mittlerweile Gang und Gebe. Ich will das hier nicht rügen, aber einfach mein Unbehagen darüber zum Ausdruck bringen, wie sehr wie "uns" durch die Übernahme der ostasiatischen Namensreihenfolge eigentlich verwirren. Dort schreibt man nämlich zuerst den Familiennamen, dann den Vornamen. Ich meine ja schon, bei aller Kulturoffenheit, die man zu wahren hat, dass man diese Reihenfolge bei dem Eingang in abendländische Kontexte (wie Filmposter, DVDs, Artikel etc.) in die uns bekannte ändern sollte. Stattdessen liest man über "Park Wan-Chook" (Oldboy, Lady Vengeance) & "Wong Kar-Wai" (Chungking Express, In the Mood for Love), was zur Folge hat, dass jeder so tut, die beiden persönlich zu kennen. Überall wird an den Vornamen das Genetiv-s drangeklatscht und schon redet man über "Wan-Chooks raffinierte Erzähltechnik" und "Kar-Wais neuen Film". Ich mach das auch ständig - und einmal pro Halbjahr schaue ich dann einmal genauer nach und werde mir der etwas lächerlichen Folgen dieser Sprachverwirrung bewusst. Also - in sechs Monaten sehen wir uns wieder!

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Freitag, der 24.04.2009, 14:02
Rebootmake

Als zum Remake-Phänomen gehörig kann man gewiss die derzeitige Reboot-Schwemme betrachten. Auch wenn er Begriff natürlich erst einmal vollkommen unklar ist, kann man ihn irgendwo zwischen einer Handungsfort- oder vorsetzung (Sequel/Prequel) und dem Remake anordnen. Das Remake als transparent gemachte Wiederholungsstratgie, ein schon immer vorhandendes Prinzip Hollywoods, ja der Kunst überhaupt, enthält als wichtigsten Aspekt die Variation. Alexander Gajic weist in einem interessanten epd-Artikel darauf hin, dass Reboots eine ganz gewisse Art der Variation verfolgen: Man befreit in ihnen Figuren und Geschichten von erstarrten Konventionen, man gibt dem Mythos einen menschlicheren und authentischeren Anstrich. Die sei Ausdruck für unsere "Sehnsucht nach Subjektivität und ungefilterter ­Erfahrung". Ein gewisse Paradoxie besteht natürlich darin, dass diese Sehnsucht gerade an sattsam bekannten Franchises (Batman, Bond, Star Trek etc.) umgesetzt und befriedigt wird. In jedem Fall nachdenkenswert, für Gajic sogar kritikwürdig ...

Link(s) Bibliografie zum Remake
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Sonntag, der 15.03.2009, 16:07
Das Filmtext-Register

Ich habe ja schon einmal über das Filmtagebuch-Register der Filmforen berichtet, einer Art Filmdatenbank, die zur Katalogisierung der Filmtagebucheinträge dient, die auf Filmforen.de lagern. Daraus ist jetzt das Filmtext-Register geworden: Wer Mitglied auf Filmforen.de ist, kann nun all seine Texte, der er übers Internet verteilt hat, in diese praktische Datenbank eintragen und somit sein ganz persönliches Text-Katalog schaffen. Und die anderen sind natürlich noch immer dazu eingeladen, es zu benutzen, um ihren eigenen Filmhorizont mit denen anderer Menschen abzugleichen oder - besser - kollidieren zu lassen. Dafür wird man bei über 30.000 Texten zu fast 10.000 Filmen gewiss die Gelegenheit haben...

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Mittwoch, der 28.01.2009, 16:03
"Dieser Film ist überbewertet."

Aussagen der Geschlossenheit - Teil I

Ich sehe mich genötigt, ab nun in unregelmäßigen Abständen von Sätzen zu sprechen, die man so oder ähnlich im Internet lesen und in Zwiegesprächen hören kann und deren Zweck Machtausübung und Konversationsabtötung ist. Vielleicht nicht einmal bewusst genutzt, sind sie Zeichen einer Diskussionskultur, die nicht auf Offenheit und den Versuch, sich gegenseitig zu verstehen, abzielt.

Wenn nun jemand meint, ein Film sei überbewertet, dann kommt darin nicht allein zum Ausdruck, dass seine Meinung signifikant vom von ihm wahrgenommenem Mittel der anderen Meinungen abweicht, sondern dass seine Meinung die Übermeinung ist - die Richtschnur und das Maßband. "Überbewertet" - ein schrecklich anmaßendes Wort, dass den Anderen ihre Erfahrung streitig machen will. In sich hat es weitere geheime Nachrichten decodiert, die ungefähr wie folgt lauten: "Ätschibätsch, ihr habt alle unrecht..." / "Ich bin der Größte und Richtigste!" (Bei Männern bedeutet es oft weiterhin: "Ich hab' den Größten!") / "Gespräch unerwünscht, ich weiß es schließlich eh besser."

Alternative Ausdrücke, die hingegen nicht so verheerend herrisch sind, könnten lauten: "Ich verstehe nicht, was alle so toll daran finde..." / "Die anderen Meinungen verwirren mich..." Ehrlich gemeint, sind diese Sätze Keime der Annäherung. Einerseites betonen sie die tiefen Gräben, die da zwischen den Menschen bestehen. Anderseits wird dadurch nicht behauptet, dass es sich auf der einen oder anderen Seite besser leben ließe. Es wird diskret die Möglichkeit geschaffen, sich zu erklären, und im gleichen Moment die Bereitschaft signalisiert, sich andere Erklärungen anzuhören. D.h. ja nicht, dass es dann auch zu diesem Austausch kommen muss. Geschweige denn, dass er einfach und von Erfolg - im Sinne von gegenseitigem Verständnis - gekrönt ist. Solange jemand nicht impliziert, dem anderen fehle der Stein der Weisen (in der Männer-Domäne zwei Steine, meist auch als "Eier" bekannt), steckt man bereits nicht mehr allzu tief im Sumpf des Dogmatismus und der Voreingenommenheit. Das "Andere" hingegen wirklich nachzuvollziehen, wird wohl bei aller Schwierigkeit überaus belohnend sein. Ich kann es nur vermuten, bin schließlich auch nur ein Mensch, der wie jeder Mensch den Makel hat, immer zu meinen, er habe Recht. Bedenkt jedoch: Die eigene Meinung ist stets überbewertet...

Selbsttest: Puh, Glück gehabt!

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Mittwoch, der 04.06.2008, 21:51
"So she was right to eat the apple?"

"Absolutely!"

Phillip Pullman über seine Fantasy-Trilogie "His Dark Materials", seine Quellen und Inspirationen (z.B. Kleists Über das Marionettentheater oder auch ein Gemälde von da Vinci). Ein weiser, ein gelehrter, ein unheimlich beruhigender Mann.

2003 gesendet, nun auf YouTube anzuschauen. Hier der erste Teil.

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Sonntag, der 27.04.2008, 13:04
Realverfilmung des Mangas "20th Century Boys"

Dass Naoki Urasawas Manga 20th Century Boys verfilmt wird, finde ich nun aus vielerlei Perspektiven interessant. Einmal, weil ich nichts davon wusste - und das obwohl die Nachricht schon Ende 2006 die Runde machte. Selig seien die Medienblinden - ich bin einer von ihnen. (Jetzt wisst ihr auch, warum mein Blog so heißt, wie er heißt.) Schon peinlich, wo ich doch großer Verehrer der Comicreihe bin. Urasawa ist ein Meistererzähler, der das Suspense- und Spannungsfabulieren durch seine Erzähltechnik der Zeitsprünge auf eine wohl nie gesehene Spitze treibt. Inwiefern dieses bisweilen chaotische Springen durch die Handlung, das die Chronologie von über 30 Jahren erzählte Zeit wild durcheinander mixt, im Film seinen Wi(e)derhall findet, wird zu erwarten bleiben. Mit einer Trilogie (der erste Teil kommt am 30. August in die japanischen Kinos) haben sich die Macher jedenfalls schon einmal den Raum geschaffen, um der umfangreichen Erzählung Herr zu werden. Gespannt bin ich auch auf die Handlungselemente der Kindheit Kenjis in den 1960er Jahren - besonders die Ausführung des naiven Blicks und des starken Zeitkolorits, also die Frage der Umsetzung von Nostalgie, steht hier im Vordergrund.

Faszinierend ist ein Aspekt der Kulturindustrie Japans, der mich schon immer auf sich aufmerksam machte: In den zwei Postern und dem Cast ebenfalls schon lässt sich die übliche Treue zur Mangavorlage erkennen. Ein aus dem Anime-Bereich ja bekanntes Phänomen - der Anstrengung eines angepassten, veränderten Designs wird sich nur in restriktiven Bahnen ausgesetzt. Das kann viele Gründe haben: vielleicht ist dieses textuelle Phänomen gar nicht so phänomenal, wie ich es hier darstelle. Oder aber es ist eine ökonomische Maßnahme, die den Designprozess der Vorproduktion einspart. Es ist ja auch einfach praktisch, wenn ein Comic die Bilder schon vorliefert. Oder wir haben es hier mit einer Ehrung des Mangakas zu tun, dessen individuellem Werk gegenüber man sich in der Pflicht sieht. Man denke an die Mentalität der Japaner. Irgendwo dazwischen wird die Wahrheit vielleicht liegen.

Ach ja, einen Teaser gibt es auch schon. Viel zu sehen gibt es nicht. Und überrascht von der musikalischen Untermalung werden Kenner des Mangas auch nicht sein. Schließlich beginnt dieser in den 1970ern - mit dem Glamrocksong "20th Century Boy" von T. Rex (bzw. mit der bildlichen Darstellung des Liedes, wie es durch die Räume eines Schulgebäudes schallt). Da er Namensgeber für die komplette Reihe ist, darf das schmissige E-Gitarren-Riff zu den ersten (Werbe-)Bildern des Films selbstverständlich nicht fehlen.

Link(s) Band 1 des Mangas Offizielle Seite des Films
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