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Sonntag, der 10.01.2010, 01:32 |
The Village
THE VILLAGE wird man wohl gut und gerne als Shyamalans geschicktestes Perspektiven-Experiment beschreiben dürfen. Zuerst muss ich ganz ehrlich zugeben, dass dieser Film einer meiner Lieblingsfilme ist und würde ich jemals eine Liste meiner All Time Favorites erstellen (was ich niemals tun würde), wäre dieser immer mit dabei.
Wovon THE VILLAGE handelt, ist wohl weitestgehend bekannt: Von einer Dorfgemeinschaft Ende des 19. Jahrhunderts, abgeschnitten von der großstädtischen Zivilisation durch einen Wald, in dem Monster hausen - von der Gemeinde Those we don't speak of genannt. Am Ende werden einem gleich zwei Enthüllungen geboten: Die Monster sind nur Schwindel, erdacht und sogar verkörpert von den Dorfältesten. Genauso wie die Zeit und zeitgemäße Lebensweise in diesem Dorf nur Täuschung ist: Die Dorfältesten sind moderne Großstädter, deren Vergangenheit von gewalttätigen Schicksalsschlägen geprägt war. Aus diesem Grund haben sie diese autarke und von Zeit und Raum abgeschnittete Gemeinde gegründet - um ihren Kindern die Unschuld zu bewahren.
Shyamalans Abwehr-Reaktion auf die platte Kategorisierung seiner Werke als Plot-Twist-Filme ist dieses Mal eine Kaskade von Plot-Twists - denn zwischen den zwei bereits erwähnten macht die Handlung einen weiteren Haken, indem sie kurz die Möglichkeit andeutet, Those we don't speak of gäbe es wirklich. Dass es Zuschauer gab, die sich das alles vorher denken konnten, kann ich mir nicht vorstellen - aber falls doch, gratuliere ich ihnen zu diesem Wissen! Es ist jedenfalls ganz unerheblich für Shyamalans pfiffige Erzählstrukur: Er führt die Zuschauer mit den Augen der Kinder in die Dorfgemeinschaft ein. Das erste Mal hören wir von Those we don't speak of, als Edward Walker (William Hurt) der Schulklasse die Geschichte und Art dieser Wesen (wahrscheinlich ein weiteres und nicht das letzte Mal) erklärt bzw. eintrichtert. Wir sind die Schulklasse! Auch die Hauptfiguren, die blinde Ivy Walker (Bryce Dallas Howard), die gerne "Jungssachen" macht, und der verschämte junge Schmied Lucius Hunt (Joaquin Phoenix), sind "Kinder". Ihre Liebe zueinander und ihre Verlobung zeigen sie zwar in einem Übergangsstadium, welches jedoch noch nicht abgeschlossen ist. Sie müssen reifen und wir mit ihnen - dazu gehören auch die Plot-Twists, die - sowohl für Ivy als auch den Zuschauer - ein höheres Verständnis der Welt verheißen. Jedoch muss bei diesem Prozess eines erhalten werden - eines der zentralsten Konzepte Shyamalans, Katalysator in all seinen Filmen und untrennbar mit seinem Glauben an das Kind verbunden: Unschuld (ein Wort, das oft in diesem Film fällt).
Geradezu subversiv ist Shyamalans Einfall, die monomythische Heldenreise, in dessen Verlauf es zu einer geistigen Reifung kommt, von einer blinden Frau bestehen zu lassen. Die Enthüllungen, die sich im Film selbstverständlich auf der visuellen Ebene abspielen, den Zuschauer mit und durch die Augen einer Blinden als Identifikationsfigur erleben zu lassen, darauf muss man erst einmal kommen! Passend dazu beweist Shyamalan einmal mehr seine Meisterschaft des Point of View: Wie setzt man den subjektiven Blick einer blinden Person um? Ganz einfach, man stellt die Kamera hinter diese Person, so dass der Zuschauer zwar mit ihrer Blickrichtung schaut, aber durch den Hinterkopf sein Sichtfeld versperrt wird.
Shyamalans Steuerung des Zuschauer-Blickes erlebt mit diesem Film ihren Höhepunkt und ihre dichteste Form. Wie er uns zuerst auf den kindlichen Blick festlegt, um uns dann im Laufe des Films die Welt zu entdecken - parallel zum Reifungsprozess der Heldin. Die "Plot-Twists" sind hier aufs engste mit der Handlung verflochten und somit gar keine Twists mehr, sondern fügen sich absolut organisch ins Ganze ein...
Link(s) IMDb-Link DVD auf Amazon.de
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(in: filmBlog)
Kommentare
(1) / Comment?
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"Wie setzt man den subjektiven Blick einer blinden Person um?"
Da habe ich doch gleich einen Literaturtipp für dich:
Karl Sierek: Blind Spot. Tropes of Blindness as social and discoursive Strategies of Demarcation , in: Kolnoa. Studies on Cinema and Television Assaph Section D.No.2, Tel Aviv: The Yolanda and David Katz Faculty of the Arts Department of Film and Television.
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Stefan am 10.01.2010 um 07:22 |
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