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bekay de » Der Herr der Ringe - Trilogie  
 

Freitag, der 15.09.2006, 17:41
Der Herr der Ringe - Trilogie

    "How do you pick up the threads of an old life? How do you go on... when in your heart... you begin to understand... there is no going back? There are some things that time cannot mend. Some hurts that go too deep... that have taken hold."

So ungefähr fühlte ich mich, als ich darüber grübelte, ob ich mich hier zu der "Herr der Ringe"-Verfilmung äußern sollte, anlässlich der neuerlichen Sichtung aller Teile in ihren verlängerten Fassungen und im Original-Ton. Zwar hat es nichts mit Schmerz zu tun, mein Nicht-Zurückkehren-Können, sondern eher mit Freude und Flucht, aber doch ist da etwas, was mich einfach nicht loslässt. Wie Frodo seine Schmerzen und seine Bürde nie mehr vergessen wird können. Schon diese Analogie zeigt wohl, dass ich mir eine gehörige Distanz zu den Filmen fehlt. Trotzalledem erwuchsen ein paar assoziative Gedanken zur Trilogie, die ich nun gern niederschreiben will.

Anfangen muss ich 2002: ich war dumm und dachte, etwas von Filmen zu verstehen und viele gesehen zu haben (das denke ich heute kaum noch). Nur weil man so eine abgenudelte VHS-Kopie von "Tanz der Teufel II" hatte - ach, was war ich naiv. Dem Hype um den ersten Teil habe ich mich ganz verschlossen. Ziemlich billiges Möchtegern-Underdog-Verhalten. Jedenfalls ging ich nicht ins Kino. Da mir die Kultur um Tolkiens Buch auch vollkommen unbekannt war, konnte ich das ganze "Ereignis" darum auch kaum nachvollziehen. Jedenfalls hat der Film dann doch irgendwie den Weg in meine DVD-Sammlung, also die paar DVDs, gefunden. Und eines Nachmittags, die Details dieser Sichtung sind noch so klar in meinem Kopf, habe ich ihn mir angesehen. Und obwohl ich nicht wusste, was mir da widerfuhr, spürte ich einen Klick. Da war doch etwas. Diese Bilder machten etwas mit mir. Diese Bilder hatten eine Kraft. Bilder haben Kraft. Bilder können dich erreichen, berühren. Mein ernsthaftes Interesse an Film begann mit diesem. Film ist nicht nur Figur, Dialog, schönes Bildchen. Da ist auch Perpektive, Farbe, Form, Überwältigung - und: Unverständnis. Ich habe das alles nicht begriffen, mit diesem Ring, diesen verschiedenen Völkern, der eigenen Geschichte. Peter Jackson hat mir mit einem Hammer sozusagen dermaßen auf den Kopf gedroschen...

Ob mir die Filme gefallen, das ist für mich kaum eine Frage mehr. Sie nehmen in meiner Film-Sozialisation eben einen besonderen Schritt ein. Sie sind ein Fluchtpunkt geworden, eine Bilderwelt, in der ich mich maßlos verlieren kann, in der ich mit allen Figuren mitflenne und fiebere. Als einer der Hauptgründe dafür würde ich die optische Konsistenz von Peter Jacksons Verfilmung angeben. Mit Sicherheit ist das einer fast schon kitschigen Überinszenierung, die auch Kritik ausgesetzt war, zu verdanken. Auf der anderen Seite spürt man hier den überwältigenden Willen, eine Welt visuell komplett aus dem Nichts zu erschaffen, die ganz für sich existiert, nur in sich interagiert und eigenen Gesetzen gehorcht. Hier z.B. zeigt sich die Verfilmung äußerst loyal zu Tolkien und seiner Ansicht zu den "fairy-stories": die Erschaffung eine zweiten Welt, die unabhängig von unserer Realität existiert, nur auf sich selbst verweist und in sich logisch ist. Ich weiß zwar, dass gerade die Logik der Handlung und Zeit Tolkien sehr am Herzen lag, und diese hat Jackson für die Gleichschaltung dramaturgischer Höhepunkte meist geopfert. Man denke nur an den zweiten Teil: Völlig abweichend vom Buch nimmt Faramir Frodo und Sam mit nach Osgiliath, damit der dortige Angriff mit dem Sturm auf Helms Klamm parallel geschaltet werden kann. Diese Erschaffung paralleler Spannungsbögen machen die zeitlich korrekten Wanderruten, die sich Tolkien erdacht hat, vollkommen zunichte. Und trotzdem: Ich sage, hier liegt Konsistenz vor. Wir dürfen nicht vergessen, dass Film medienhistorisch nicht als Erzählmittel konzipiert wurde. Seine Eigenart, bis ins heutige Blockbuster-Kino, ist das bewegte Bild, der Effekt, die Attraktion. Und die Faszination, die dies bei uns auslöst. Ich halte es deswegen für gut und recht, die Maßstäbe der Logik, die Tolkien an sein Werk ansetzte, ins Visuelle zu transponieren, um sowohl der Eigenart des Kinos, als auch des Buches gerecht zu werden. Ich kann mich in diesen Bildern wiederfinden, verlaufen, sie erzeugen eine Umgebung von Präsenz und Konsistenz. Sie sind wirklich.

Eingestehen muss man, dass in "Die Rückkehr des Königs" dieses Konzept einige erzähltechnische Schwächen evoziert: der Handlungsbogen nach der Verteidigung Minas Tirith ist, was die zeitliche Ausgestaltung angeht, krud ausgefallen - Aragorn fordert Sauron heraus, seine Armee reitet mal eben schnell zum schwarzen Tor, genauso flink räumt Sauron die Ebene von Gorgoroth mit den abertausenden von Orks frei, eben genau jene Einöde, dir Frodo & Sam auf dem Weg zum Schicksalsberg überqueren müssen. Das alles geschieht so schnell und in einem regelrechten Montage-Gewitter, dass man sich fragen muss, wie klein Mittelerde ist. Hier entsteht eine sehr spürbare Dissonanz zwischen Form und Handlung. Denn während uns die Bilder die schiere Größe, Unendlichkeit und Authenzität dieser Welt anzeigen, lässt die zeitliche Koordination der Handlungen das Gefühl einer Sandkiste aufkommen. Mit diesem Problem hat verstärkt der dritte Teil zu kämpfen, in "Die Gefährten" ist der Wanderaspekt so ausgeprägt, dass die visuell gewaltige Welt mit den sich darin bewegenden Figuren zur Deckung kommt. Auch der zweite Teil hat wenig mit diesem Problem zu kämpfen.

"Herr der Ringe" ist auch Ensemble-Kino. Und was für eines. Jackson hat ein äußerst feines Näschen für Schauspieler bewiesen. Ich kann jetzt kaum jeden Schauspieler nennen und besprechen. Vielleicht bleiben wir deswegen bei dem umstrittensten, der auch noch die Hauptrolle trägt: Elijah Wood als Frodo. Hauptkritikpunkt war sein Alter. Eigentlich um einiges älter als Sam nach dem Buch, wirkt er doch sehr kindhaft. Das ist zwar eine berechtigte Erkenntnis, nur wurde gerade schauspielerisch zwischen ihm und Sean Astin als Sam präzise herausgearbeitet, wer den höheren (Wissens)Stand hat. Die Chemie stimmte ja sowieso zwischen den Beiden. Wie auch das ganze Ensemble bestens zusammen interagierte. Wood konnte besonders im Finale des letzten Teils zeigen, wie er als Darsteller durchaus gewachsen ist. Die Bürde des Ringes wurde in den ersten beiden Teilen jedenfalls etwas platt inszeniert. In den zentralen Szenen, auf dem Weg zum Schicksalberg und im selbigen, kann Wood nun doch brillieren: Frodos Qualen, seine seelische Leere und zu guter Letzt sein Aufgeben vor dem Ring. Das darf man nicht vergessen: Frodo ist kein Held, sondern der Verlierer. Der Ring hat ihn gebrochen. Nur Gollums Gier nach "seinem Schatz" sorgt dafür, dass der Ring und damit auch Sauron zerstört wird.

Dann: Ein zerschundener Frodo, geistig und körperlich gebrochen, liegt mit geschlossenen Augen auf harten Stein, umgeben von Lavamassen. Der befreiende Tod scheint nah.

    Frodo: "I can see the Shire. The Brandywine River. Bag End. The Lights in the Party Tree."
    Sam: "Rosie Cotton dancing. She had ribbons in her hair. If ever I were to marry someone, it would have been her. It would have been her."
    Frodo: "I'm glad to be with you, Samwise Gamgee, here at the end of all things."

Das ist jetzt zwar plakativ (also von mir), aber: ganz, ganz großes Kino. Hier ist Jackson so nah an Tolkiens Vorlage und seiner Essenz - der Held, der gescheitert ist & die Freundschaft als Trost kurz vor dem Tod. Wie auch sonst Jackson einige der wichtigen Grundpfeiler von Tolkiens Konzeption treu bleibt. Ich denke da z.B. an Mittelerde, das von Tolkien sowohl in "Der Hobbit" als auch auch in "Der Herr der Ringe" als melancholische Welt porträtiert. Eine Welt, die ihre besten Tage, Tage der Ehre und der großen Taten, des Mutes und der Schönheit, hinter sich gelassen hat - ein Abglanz und Schatten einer viel größeren Zeit, die vergangen ist. Die ganze Trilogie ist durchzogen von dieser Atmosphäre: man denke an den Prolog von "Die Gefährten", an die wunderschönen Settings der längst verlassenen Orte glorreicher Tage, an die Figuren, wie Aragorn und König Theoden; der zweitere symbolisiert das letzte Aufbäumen der alten Ordnung, im Wissen, dass es im Untergehen begriffen ist, und ersterer steht für das neue, das sog. Vierte Zeitalter, wie es in der Mittelerde-Mytholgie genannt wird. Diesen Zeiten- und Stimmungswechsel halte ich in den Filmen für kongenial umgesetzt.

Auch sonst beweist Jackson Mut und widersetzt sich, trotz vieler Plattheiten und Vereinfachungen, die sich durch alle drei Teile ziehen, einiger grundlegender Blockbusterkonventionen: Der Verzicht auf die Liebesgeschichte bzw. die Beibehaltung deren Distanz. Mag es nun durch die Aufschreie der orthodoxen Buch-Fans gewesen sein, oder auch nicht, die kämpfende Xenarwen, die an der Seite von Liebchen Aragorn Orks metzelt, ist uns erspart geblieben. Genauso wurde für die "Final Round" ein völlig intakter Sauron vorgesehen, der sich einen Kampf mit dem Königsanwärter leistet (das wurde sogar abgedreht). Darauf wurde in der endgültigen Fassung ebenso verzichtet, und somit die Eigenheit des Buches, den Kampf des Guten gegen das Böse zu beschreiben, ohne das Letzteres anwesend wäre, weitesgehend entsprochen. Natürlich kann man die wohl übertriebene Inszenierung des Feuerauges kritisieren, jedoch bleibt auch dieses nicht fassbar, kein Gegner. Und zum Schluss will ich den Aspekt der zahlreichen Lieder und Gesangseinlagen loben, die von den Figuren oft zum Besten gegeben werden. Dieses für heutige Verhältnisse altmodisch und fast lächerlich anmutende Gebaren spricht wieder für die Konsistenz einer eigenen Welt mit eigenen Traditionen und Ritualen. Hier wird einiges von der seltsamen Energie des Buches in die Verfilmung gerettet...

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